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Sprachen

Mit Latein als erster Fremdsprache wird in der 5. Klasse die Grundlage für weitere alte und moderne Fremdsprachen gelegt.
In der 6. Jahrgangsstufe folgt Englisch, in der 8. Klasse kann zwischen Griechisch (humanistischer Zweig) und Französisch (neusprachlicher Zweig) gewählt werden. In der 10. Klasse können die Schülerinnen und Schüler Latein abwählen, wenn sie Chinesisch oder Italienisch als neu einsetzende spät beginnende vierte Fremdsprache belegen. Es werden soweit möglich Wahlkurse für Spanisch, Französisch (für Schülerinnen und Schüler, die Griechisch lernen) und Chinesisch angeboten.

Sprachliche Gymnasien bieten nach wie vor in ihrer Breite auch eine gute Voraussetzung zur Aufnahme eines naturwissenschaftlichen Studiums. Wie wichtig uns die Förderung der Naturwissenschaften ist, zeigt sich am Neubau unserer Schulsternwarte oder an Eigenentwicklungen im Bereich der IT, wie dem Ottilien-Guide.

Große Bedeutung kommt auch der musischen Bildung so- wie dem Sport zu.

Warum ist unsere Schule ein sprachliches Gymnasium, also ein Gymnasium mit humanistischem und neusprachlichem Zweig?

Die Antwort ist vielschichtig. Die Tradition eines nunmehr 125 Jahre alten Gymnasiums ist dabei nicht die wichtigste. Es geht um die prinzipielle Frage nach Bildung durch das Erlernen von Sprachen. Die filigrane Beherrschung des Deutschen als unserer Muttersprache kann gerade durch das Erlernen von drei, so man will bei uns mit Chinesisch oder Italienisch als Ersatz für Latein sogar von vier Fremdsprachen, nur gewinnen. Der Weg zur Beherrschung einer Fremdsprache ist zunächst steinig, das wird niemand ernsthaft bestreiten.  Nur kontinuierliches Arbeiten führt schließlich zu sicherer Beherrschung. Aber gilt dies nicht ebenso für Mathematik und Physik?

Warum bieten wir Latein als 1. Fremdsprache?

Latein – Was ist das eigentlich?

Rom, die Hauptstadt Italiens, wurde der Sage nach im Jahre 753 v. Chr. von Romulus in der Landschaft Latium gegründet und gab den Römern ihren Namen. Von der Landschaft Latium und ihren Bewohnern, den Latinern, hat die Sprache der Römer ihren Namen erhalten – Latein.

Dieses Latein wurde nicht nur über Jahrhunderte hinweg gesprochen, man hat auch alle Verträge, Gesetze und vor allem literarische Werke in dieser Sprache aufgeschrieben – in dem lateinischen Alphabet, das wir bis heute benutzen. Im Laufe der Jahrhunderte dehnten die Römer ihr Reich über das gesamte Mittelmeer und sogar bis ins heutige Deutschland und Großbritannien aus.

Sie hinterließen in diesen Ländern Tempel, Theater, Thermen (Badeanlagen), Straßen und Brücken, und viele Völker übernahmen auch die Sprache der Römer. Noch lange Zeit nach dem Zerfall des römischen Reiches lebte Latein weiter: Es wird z. B. in der Kirche z.T. bis heute gesprochen und gesungen, war die Sprache der Verwaltung und Gerichte und blieb bis ins 20. Jahrhundert hinein eine wichtige Sprache der Wissenschaft.

Das Lateinische und mit ihm die römische und griechische Kultur bilden die kulturellen und geistigen Grundlagen Europas. Im Lateinunterricht kann man erkennen, wo wir Europäer herkommen und was uns bis heute verbindet:

Welche Sprachen leiten sich von dem Lateinischen ab?

Englisch (60% des englischen Wortschatzes leiten sich vom Lateinischen ab!), Französisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch, Rumänisch, …

Wenn du zuerst Latein lernst, hast du also gute Voraussetzungen zum Erlernen moderner Fremdsprachen. Dabei hilft dir nicht nur der lateinische Wortschatz. Latein ist nämlich vor allem ein »grammatisches Rückgrat«: Man lernt im Lateinunterricht, wie eine Sprache funktioniert. Latein ist gewissermaßen ein »Modell von Sprache«. Gerade diese Eigenschaft des Lateinischen ist eine gute Basis für dich, moderne Fremdsprachen (auch das Russische!) zu erlernen oder bereits vorhandene fremdsprachliche Fähigkeiten zu vertiefen.

Inwiefern ist Latein ein Training fürs Deutsche?

Wenn du Latein lernst, trainierst du zugleich deine Muttersprache. So übst du beim Übersetzen von lateinischen Texten, genau hinzusehen, geeignete Wörter und Ausdrücke zu suchen, sie zu prüfen und auszuwählen. Auf diese Weise kannst du deine sprachliche Beweglichkeit und Sicherheit im Ausdruck verbessern.

Wenn du Latein lernst, dann verstehst und beherrscht du viele solcher Lehn- und Fremdwörter, die Dir ständig gerade auch im Internet und im Fernsehen, aber auch im Radio und in der Zeitung begegnen.

Macht Lateinunterricht Spaß?

Heute lernt man abwechslungsreich Latein: ob zu zweit, in der Gruppe oder spielerisch – die Arbeitsweise ist so vielseitig und ideenreich wie die Schüler. Oder vielleicht hat man einmal Lust, selbst Lehrer zu sein und seinen Mitschülern im Teamwork mit dem Lehrer den neuen Stoff zu erklären?

Auch neue Computerprogramme und das Internet stehen dir zur Verfügung: Sie helfen beim Erlernen des Lateinischen und machen Lust, sich auf Entdeckungsreisen in das antike Rom zu begeben.

Selbstverständlich wird auch gerätselt, gezeichnet oder Theater gespielt: Die modernen Lehrbücher bieten hierfür zahlreiche Vorschläge und Anregungen. Auch Asterix und Obelix sind dabei, natürlich auf Latein!

Außerdem gibt es vielfältige Möglichkeiten der außerunterrichtlichen Arbeit, so z. B. bei Besuchen von Museen und Ausstellungen, auf Klassenfahrten ins »römische Germanien« und zu anderen antiken Stätten in Europa.

Welchen Gegenwert erhalte ich, wenn ich Latein lerne?

Latein wird dein grammatisches Rückgrat. Du lernst im Lateinunterricht, wie eine Sprache funktioniert.

Es klingt wie eine Selbstverständlichkeit – aber auch Lernen will gelernt sein. Wissen zielgerichtet zu erwerben und zu ordnen ist eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiches Arbeiten und hilft dir dabei, viel Zeit zu sparen. Gerade beim Erlernen der lateinischen Sprache kannst du diese Fähigkeiten üben. Wenn es z. B. darum geht, Vokabeln zu lernen, ist Lernen mit System gefragt!

Außerdem werden im Lateinunterricht Lern- und Arbeitstech- niken gefördert, die für die anderen Schulfächer und auch für dein späteres Berufsleben wichtig sind:
• Beobachtungsgabe
• Konzentrationsfähigkeit
• Unterscheidungsvermögen
• sorgfältiges Abwägen von Lösungen
• sprachliche Kreativität

Was heißt das eigentlich:
• ein wirklich guter Freund zu sein,
• glücklich zu leben,
• zwischen Recht und Unrecht zu unterscheiden,
• für sich und andere Verantwortung zu übernehmen?
Im Lateinunterricht werden dir solche Fragen immer wieder begegnen: Römische Schriftsteller wie Cicero oder Seneca haben sich nämlich über die Lösung solcher Probleme sehr oft den Kopf zerbrochen.
Vielleicht hast du dir ja diese oder ähnliche Fragen auch schon einmal selbst gestellt. Sicher hast du bemerkt, dass es schwer ist, darauf wirklich treffende Antworten zu finden.
Die Gedanken der römischen Schriftsteller können dir Anregungen geben, selbständig eine eigene Antwort auf solche Fragen zu finden.

Das LATINUM ist an vielen Universitäten und Hochschulen der Bundesrepublik Voraussetzung für das Studium bestimmter Fächer. Dazu gehören Deutsch, Geschichte, Englisch, Französisch, Latein, Griechisch, Theologie, Philosophie und Archäologie. Von großem Nutzen sind Lateinkenntnisse auch für andere Fächer, z.B. Jura, Medizin und Biologie. In vielen Fächern benötigt man das LATINUM zur Magister- oder Doktorprüfung. Genauere Angaben findest du in der Jahresausgabe von »Studien- und Berufswahl«, die von der Bundesanstalt für Arbeit herausgegeben wird.

Warum halten wir aber bei der dritten Fremdsprache an Altgriechisch als Alternative zu Französisch fest?

„Ich habe im Verlauf von fünf Jahren als Schüler, später als Lehrer und nun seit zwölf Jahren als Schulleiter viele, sehr viele Griechischstunden miterlebt. Die beeindruckendsten Stunden erlebt man in den letzten drei Schuljahren, dann nämlich, wenn man merkt, wie ernsthaft bemüht, wie souverän junge Menschen mit Sprache, sowohl der fremden als auch der eigenen umzugehen wissen. Sprache ist eine Macht, ein Rückhalt fürs Leben. Was liegt also näher, als jungen Menschen eine Ahnung von dieser Macht der Sprache zu vermitteln und ihnen zugleich anzuerziehen, mit diesem Machtmittel achtsam umzugehen?

Sprache als Kommunikationsmittel transportiert Inhalte. Und gerade diese Inhalte sind es, die auch eine alte Sprache wie das Lateinische, besonders aber das Griechische für Menschen im Alter von 15 bis 18 Jahren interessant machen: Geschichte, der Staat, Krieg und Frieden, Demokratie und Diktatur, Moral und Philosophie, das Göttliche und das Individuelle, Liebe und Leiden, Schuld und Sühne, Freiheit und Bildung, alles Themen, denen sich Jugendliche jeder Zeit mit großer Neugier und anhaltender Spannung nähern. Die „alten Griechen und Römer“ haben scharfsinnig darüber nachgedacht, wie man ein Gemeinwesen organisiert, was der Staat vom Einzelnen erwarten darf, wie man leben kann und worauf man im Leben achtgeben muss. Die Sprache mag eine tote sin, aber die Inhalte sind lebendig wie eh und je. Um dies zu erkennen, muss man diese Sprache aber als Mittel zum Zweck wieder lebendig werden lassen. Was also soll daran falsch oder unzeitgemäß oder überholt sein, wenn man weiterhin Griechisch und Latein lehrt und lernt?

Im Laufe meiner bis dato zwölfjährigen Amtszeit als Schulleiter habe ich eine große Zahl von Ehemaligen anlässlich von Abiturjubiläen empfangen, sie durch die Schule geführt und das Gespräch gesucht. Fast alle eint die Erkenntnis, dass sie am RMG wirkliche Bildung erfahren haben, eine Bildung, die sie geprägt hat, die sie nach ihrer Schulzeit vervollkommnet haben und deren Bedeutung ihnen im Laufe des Lebens immer bewusster wurde.“

Die Sprache, die Sprachen sind also der entgrenzende Schlüssel zur Welt, weil sie das zentrale Bindeglied zwischen Mensch und Mitmensch, zwischen dem Menschen und den Dingen bilden. Genau dieser Schlüssel zur Welt ist der Ausgangspunkt der Arbeit an einem sprachlichen Gymnasium! Und warum u. a. auf der Basis zweier alter Sprachen? Weil sie ein perfektes sprachliches System mit großem kulturellen und ideellen Potenzial darstellen. Und weil sie die Grundlage für viele moderne europäische Fremdsprachen und nach wie vor für viele wissenschaftliche Fachsprachen sind. Deshalb dieses Programm so, wie wir es am RMG haben, übrigens gerade auch als ideale Basis zur Aufnahme und zum erfolgreichen Abschluss eines naturwissenschaftlichen Studiums, wie unsere Abiturientinnen und Abiturienten seit Dezennien Jahr für Jahr beweisen. Denn auch bei uns wird auf die Naturwissenschaften größter Wert gelegt, weicht doch die Stundentafel des sprachlichen Gymnasiums im Bereich der Naturwissenschaften nur wenig von der Stundentafel des naturwissenschaftlich-technologischen Gymnasiums ab.

Wie gestaltet sich die Fremdsprachenfolge?

Alle Schülerinnen und Schüler beginnen in der 5. Klasse mit Latein als 1. Fremdsprache. In der 6. Jahrgangsstufe folgt als 2. Fremdsprache Englisch. In der 8. Klasse kann dann zwischen Griechisch (humanistischer Zweig) und Französisch (neusprachlicher Zweig) gewählt werden. Zur 10. Klasse besteht schließlich die Möglichkeit, Latein abzuwählen und durch Chinesisch oder Italienisch als neu einsetzende, spät beginnende Fremdsprache zu ersetzen.